Web · Kultur & Bildung · 2026
Ein Entwurf, der die Bewerber meint
Eine Konzeptstudie, kein ausgeführter Auftrag: Der Relaunch war bereits an eine andere Agentur vergeben. Was hier zu sehen ist, ist mein Gegenvorschlag – nicht die heutige mecare.de.
me:care – Die Pflegefachschule, Fulda
- Kein öffentlicher Zugang
me:care ist die Pflegefachschule der mediana Unternehmensgruppe in Fulda, gegründet 2018. Sie bildet Pflegehelfer:innen und Pflegefachpersonen aus. Für den Relaunch war bereits eine andere Agentur beauftragt. Ich habe den Entwurf trotzdem gebaut – vollständig, klickbar, in fünf Seiten – weil sich über eine fertige Seite anders reden lässt als über eine Präsentation.
Die Aufgabe
Eine Pflegeschule wirbt nicht um Kunden. Sie wirbt um Menschen, die gerade entscheiden, was sie mit den nächsten Jahren anfangen – und die Konkurrenz ist nicht die Schule im Nachbarkreis, sondern jeder andere Ausbildungsberuf. Die Fragen, die dabei zählen, stehen in keinem Leitbild: Was verdiene ich? Was kostet mich das? Komme ich auch ohne Ausbildungsbetrieb rein? Und was mache ich danach, wenn ich nicht dreißig Jahre am Bett stehen will? Wer darauf keine Antwort gibt, verliert die Bewerbung an den Ausbildungsplatz nebenan – nicht an die Konkurrenz im eigenen Fach.
Der Ansatz
Die Seite spricht in der zweiten Person und beantwortet zuerst, was Geld kostet und was Geld bringt. Ein Wegfinder führt über drei Fragen – Abschluss, Zeithorizont, Ziel danach – zu einem der beiden Bildungsgänge, statt beide nebeneinanderzustellen und den Besucher wählen zu lassen. Ein eigener Abschnitt nimmt die vier Sätze auseinander, die Jugendliche über Pflege zu hören bekommen, und stellt ihnen nach: was stimmt. Der Campus wird über das gezeigt, was ihn unterscheidet – das Skills_Lab, die zwei Klassenräume in einer alten Kapelle, ein Gerät für alle Inhalte. Die Bewerbung läuft in drei Schritten ohne Motivationsschreiben und ohne Anschreibenpflicht. Gestalterisch trägt das Ganze der Doppelpunkt aus dem Logo: „me:care", „du:zählst", „Schulgeld: keins." – ein Zeichen, das die Marke schon hatte und das bisher nur im Logo stand.
Das Ergebnis
Fünf Seiten, vollständig klickbar, auf Telefon und Rechner. Die Entscheidung fiel gegen den Entwurf – der Auftrag lag bereits woanders. Der Prototyp bleibt abrufbar, weil er zeigt, wie ich an eine Zielgruppe herangehe, die nicht kauft, sondern sich bewirbt.
Im Detail
- Wegfinder statt Auswahlliste: drei Fragen führen zum passenden Bildungsgang
- Geld zuerst – Schulgeld und Ausbildungsvergütung stehen vorn, nicht im Kleingedruckten
- Ein Abschnitt, der die gängigen Sätze über Pflege aufgreift und richtigstellt
- Bewerbung in drei Schritten, ohne Motivationsschreiben
- Der Doppelpunkt aus dem Logo als durchgehendes Gestaltungsmittel
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